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Klausur, Tag 16 (Sensia Pure[r] Elektroschrott)
Dienstag 26. Dezember 2023, von
Dass sich dieser zweite Weihnachtsfeiertag ungewollt am Ende schon wieder als ein Klausur-Tag ausweisen lassen wird, war so nicht beabsichtigt. Und war zunächst veranlasst durch das Interesse, ein in diesen Tagen überlassenes Internet-Radio für den Empfang der BBC-Sender fit zu machen:
Was nicht gelang; obwohl ein gesicherter W-LAN-Empfang eingerichtet werden konnte. Allein, die danach aufgesuchten Update-Angebote blieben aus. Und das Ziel konnte auch auf anderen Wegen, inklusive USB-Links zum Rechner, nicht erreicht werden.
Erst Kopfschütteln, dann Ratlosigkeit, bis dieser Artikel von Markus Weidner in der Ausgabe von teletarif.de vom 28. April 2023, 16:19, aufgespürt wurde:
WLAN-Radios werden im Mai zu Elektronikschrott
Mitte Mai werden zahlreiche WLAN-Radios ihrer Kernfunktion des Internetradio-Empfangs beraubt. Der Hersteller Pure will sich auf die Entwicklung neuerer Technologien konzentrieren.
WLAN-Radios sind eigentlich eine tolle Sache. Die Geräte ermöglichen den Empfang von Radioprogrammen via Internet auch unabhängig vom Smartphone, Tablet oder PC. Die Empfänger sehen nicht nur wie herkömmliche Radios aus. Sie lassen sich auch so bedienen und flexibel in Küche und Bad, Wohnzimmer und Schlafzimmer verwenden, um nur einige Beispiele zu nennen.
Die Empfangsgeräte benötigen natürlich die Daten zu den Programmen, die empfangen werden sollen. Sie greifen dazu auf eigens hierfür gedachte Plattformen zu. Das funktioniert gut, wenn die Datenbank regelmäßig gepflegt und die Plattform betrieben wird. Die Radios können aber schnell wertlos werden, wenn der Datenbank-Betreiber seine Dienste einstellt oder die Konditionen ändert.
WLAN-Radio-Entwertung ist kein Einzelfall
In der Vergangenheit mussten Besitzer von WLAN-Radios schon mehrfach Abschied vom Webradio-Empfang über ihr Gerät nehmen. Jetzt steht das Aus für weitere Internetradio-Empfänger bevor. Das teilte der Smart-Radio-Hersteller Pure jetzt gegenüber betroffenen Kunden mit. Pure arbeitet mittlerweile mit Airable und Frontier Nuvola zusammen.
Neuere Radios wie das Pure Connect und das Pure Connect+ haben demnach Frontier-Nuvola-Chipsätze an Bord und greifen auf die stets vorbildlich aktualisierte Datenbank von Airable zurück. Bei älteren Pure-Radios kommt die vom Hersteller selbst betriebene Flow-Internetradio-Plattform zum Einsatz. Diese wird nach Angaben des Herstellers zum 9. Mai eingestellt.
Pure wiegelt Kritik mit dem Hinweis ab, "alle anderen Funktionen" der betroffenen Radios wie DAB+- und UKW-Empfang seien weiterhin nutzbar. Das nutzt Kunden aber wenig, die Radio über Internet empfangen möchten. Betroffen von der Abschaltung der Flow-Plattform sind laut Pure unter anderem Geräte wie Avanti Flow, Contour, Evoke F4, Evoke Flow, Oasis Flow, One Flow, Sensia 200D, Siesta Flow, Sirocco 550 und den Jongo-Lautsprecher (bei Verwendung der Pure Connect-App). Ähnlich alte, aber nicht betroffene Modelle sind den Angaben zufolge Evoke F3, Evoke C-F6, Elan IR3 und Elan IR5.
So begründet Pure die Abschaltung des Flow-Portals
Pure begründet die Abschaltung seiner Flow-Plattform damit, dass neuere Streaming-Verfahren wie HLS oder auch die Podcast-Nutzung mit der aus Hersteller-Sicht veralteten Soft- und Hardware nicht möglich sind. Daher konzentriere man sich auf die Entwicklung neuerer Technologien. Unverständlich ist aber, dass das Unternehmen seinen Kunden nicht einmal den aktuellen Funktionsumfang weiter anbietet und stattdessen die Kernfunktion der Radios abschaltet.
Kunden, deren Radios zum 9. Mai weitgehend wertlos werden, bietet Pure einen Rabatt-Gutschein für den Kauf neuer Produkte im Online-Shop des Herstellers an. Hierzu muss ein Eigentumsnachweis für eines von der Abschaltung der Flow-Plattform betroffenen Produkte erbracht werden.
Soweit, so ungut. Hinzu kommt, dass man zwischenzeitlich die Vorteile eines solchen Rabatt-Gutscheins auch vergessen kann. Nach der letzten Aktualisierung des Eintrages von Jürgen Dilocker vom 02.11.2023 konnte der 30%-Rabattcode oder Gutschein "im Wert von £30 / 30€ / 30CHF für Ihren nächsten Einkauf auf www.pure-audio.com" nur bis zum 31.Oktober 2023 eingelöst werden.
Warum all diese Aufregung und Mühe, das sei nun mal der Preis der Digitalisierung ... Kommentare dieser Art werden auch jetzt wieder eintreffen, sobald dieser Text online gegangen sein wird. Und die Antwort lautet: Weil dieses eine weitere von diesen Mimikry’s ist, von jenen Phänomenen, die exemplarisch erahnen lassen, warum sich - auch junge - Menschen wieder nach mehr Stabilität und Zuverlässigkeit sehnen [1]. In dem Beitrag: Klausur, Tag 12 (Das ABC... für die Nachgeborenen) war von einem "ABC..." die Rede, in dem Begriffe zusammengestellt sind, die in der postdigitalen Zeit zunehmend (wieder) an Bedeutung gewinnen (könnten).
A uthentizitätB roadcastC ivilcourage[...]
Und als einer der ganz wenigen (Kommunikations-)technischen Begriffe wurde für den Buchstaben "B" das Wort "Broadcast" eingesetzt. Wie es um die Zukunft dieses Mediums - und dieser Technologie - stehen könnte, dazu diese Deloitte-Deutschland-Studie aus dem Jahr 2018 über Zukunftsszenarien für die TV- und Video-Branche 2030:
– The future of TV and video – Universal supermarkets
6.345 Aufrufe 18.10.2018
Are you curious about what a world would look like in which a few global digital platform companies have replaced national broadcasting? Let’s take a look at a possible future scenario of the global TV and video landscape in 2030!
Da gilt es doch noch diese Geschichte zu erzählen. Das Büro ist in allen Räumen mit einer 3-Loch-Kabel-Dose von / für Vodafone, über deren Inbetriebnahme ziemlich genau vor zwei Jahren berichtet worden war: lob@telekom.de. Über den Antennenanschluss wurden mehrere UKW-Radioempfänger/Tuner angeschlossen. Dennoch blieb die Qualität vor allem der Auslandssender wie RFI und BBC absolut unzureichend.
Es soll hier nicht im Detail nacherzählt werden, wie viele Gespräch mit dem Provider sowohl am Telefon als auch in einem der Vertretungsbüros als auch vor Ort geführt wurden, ohne dass irgendeine Verbesserung eingetreten wäre... bis dann jemand von der Störung vorbeikommt und das ganze Thema in wenigen Worten erledigt: es werde in diese Buchsen kein analoges Antennensignal mehr eingespeist - und das schon seit geraumer Zeit. Sagte es, zog sich wieder die Schuhe an und ging. Danke!
Bleibt nur noch die Frage, warum keiner von all den Angesprochenen zuvor mit dieser Info die Frage hätte klären können?
In Ergänzung hier ein zugesandter Beitrag von Robin Wille im Mannheimer Morgen vom 3. Januar 2024:
Düsseldorf/Stuttgart. Wer in Baden-Württemberg über den Kabelanschluss Radio hört, muss sich auf Umstellungen gefasst machen. Der Betreiber Vodafone hat angekündigt, das analoge Radiosignal in seinem baden-württembergischen Teilnetz am Donnerstag kommender Woche (11. Januar) abzuschalten. Auch in Hessen (9. Januar) und in Nordrhein-Westfalen (10. Januar) endet das analoge Kabelradio. In den anderen Bundesländern wurde die analoge Übertragung bereits 2018 abgestellt.
Rund 350 Radiosender sind dann im Kabelnetz nur noch digital empfangbar, wie Vodafone mitteilte. Dafür braucht es geeignete digitale Empfänger. Mit der Abschaltung sollen Frequenzbereiche für zusätzliche Internet-Angebote freigeräumt werden. Der Frequenzbereich, in dem das analoge Kabelradio bislang gesendet wird, ist vor allem für den Upstream, also den Datenverkehr von zu Hause ins Internet, relevant.
Mit dem Wegfall der analogen Übertragung werden die Sendesignale durch eine Bandansage ersetzt, die über den Umstieg informiert. Die endgültige Abschaltung erfolgt am 31. Januar. Zur Zahl der Analog-Radiohörer gibt es nur Schätzungen. Vodafone geht davon aus, dass nur rund 2 Prozent der Kabelkunden in Deutschland den Service nutzen. In der Regel trifft das auf Kunden zu, die ihre Radios oder Hifi-Anlagen direkt mit der Kabelbuchse verbunden haben.
Dazu kommt später ein Hinweis auf diesen Beitrag in der WirtschaftsWoche von Nele Husmann vom 05. Februar 2024 herein: Vodafone ringt in Deutschland weiterhin um Kunden, der mit dem Satz schliesst:
Für den britischen Konzern Vodafone ist der deutsche Markt wegen seiner Größe und der guten Margen hierzulande entscheidend.
Und das wird noch spannend, denn:
Von Juli an dürfen Hausverwaltungen Mietern nicht mehr pauschal in den Nebenkosten eine Gebühr fürs Kabelfernsehen in Rechnung stellen. Mieter können dann ihre TV-Versorgung selbst organisieren und sich für Livefernsehen aus dem Internet über Waipu und Zattoo oder MagentaTV von der Telekom entscheiden.
So Nele Hausmann im vorangegangenen Beitrag vom 20. Januar 2024: Wieso Vodafone jetzt große Werbegeschütze auffährt.
[1] die Alten verstehen immer noch nicht, warum die Sirenen auf den Dächern demontiert wurden, da diese darauf aufmerksam gemacht hätten, das (gute alte Dampf-) Radio einzuschalten oder sogar anzukurbeln, damit es alsbald zunächst nur für einige Minuten auf Empfang sein kann; und in jüngeren Generationen wird wieder einmal darüber diskutiert, wo die nächst Heimat der Kurznachrichtendienste liegen wird, nachdem es twitter nicht mehr gibt...

