Aber sowohl im Umfeld als auch im Nachgang zu dieser Veranstaltung gab es eine Reihe weiterer Gespräche — und Selbstgespräche — die dazu führten, das Thema nochmals aufzugreifen und weiterzuführen.
Die Veranlassung für diesen Beitrag ergab sich zunächst aus gleich zwei Gesprächen mit jeweils hochqualifizierten Journalisten, die entweder bereits ihren Job verloren hatten, oder kurz davor waren, ihn zu verlieren. Sowohl die jüngere als auch die ältere mir durchaus vertraute Person machten deutlich, dass ihre ganze bisherige Qualifikation und im Beruf erworbene Kompetenz nicht mehr ausreichten, um im Wettbewerb noch bestehen zu können.
Die Bedeutung, die sich aus diesen Gesprächen im Nachgang zu dieser Schulung ableiten lässt, wirkt nach: Da haben wir auf der einen Seite eine ganze Schar wissbegieriger Kolleginnen, die sich entschlossen haben, sich diesen neuen Herausforderungen zu stellen und sie nach Möglichkeit für ihr eigenes zukünftiges als auch persönliches Engagement zu nutzen. Und auf der anderen Seite begegne ich Menschen, die sich eben dieser Aufgabe seit Längerem und erfolgreich gestellt haben, und die dennoch — oder gerade deshalb — gezwungen wurden, ihre bisherige Position aufzugeben.
Da es sich in beiden Fällen um Personen handelt, zu denen ein jeweils engeres persönliches Verhältnis besteht, wäre es natürlich von besonderer Qualität, hierüber mehr noch im Detail berichten zu können. Auf der anderen Seite verbietet eben diese persönliche Nähe genau dieses. Aber es lässt sich dennoch aus diesen sicherlich statistisch nicht evaluierbaren Erfahrungen ableiten, dass es nicht länger darum geht, in welchem Lebensabschnitt man sich mit dieser Herausforderung zu beschäftigen hat oder mit welchem persönlichen, sozialen und politischen Hintergrund dieses geschieht. Für sie alle gilt in gleicher Weise, dass diese neue Technologie sich unabwendbar etabliert und zugleich dafür Sorge getragen hat, dass ihre eigenen bislang gut etablierten Qualifikationen einen massiven Wertverlust erfahren oder schon erlitten haben.
Mit diesem Eintrag wird es keine Antwort auf die Frage geben, ob die KI im journalistischen Umfeld sich nun als Enabler oder Jobkiller durchsetzen wird. Aber all die bisherigen Erfahrungen, Evaluationen und Prognosen machen deutlich, dass wir hier einer Herausforderung gegenüberstehen, die sich nicht mehr länger übersehen oder auch nur wegdiskutieren lassen kann.
Die vielleicht prägendste Erfahrung an diesem Workshop war die Tatsache, dass es den TeilnehmerInnen selbst ohne große Vorkenntnisse gelang, aus großen Konvoluten in Windeseile durchaus qualifizierte Exzerpte zu erstellen. Und nicht nur das, sondern darüber hinaus dafür Sorge zu tragen, dass diese nach Maßgabe bestimmter in der Szene bekannter Stile — sei es nun dem der Bild-Zeitung oder des Spiegel — so ausgearbeitet werden, dass sie von den jeweiligen Redaktionen ohne grössere weitere Eingriffe hätten übernommen werden können.
Wenn es nun möglich ist, in zunehmendem Maße auch Qualitätsansprüchen zu genügen, die im Rahmen einer automatisierten digitalen Produktionslandschaft erstellt werden, stellt sich für jeden Autor und für jede Autorin die Frage nach der Zukunft ihrer eigenen Arbeit, ihrer eigenen Gewerke und letztlich ihres eigenen Werkes. Auch die Antwort auf diese Frage wird nicht an dieser Stelle ausformuliert werden, aber es ergeben sich doch eine Reihe von teilweise radikalen Folgen, die in den folgenden Stichpunkten zumindest angedeutet werden sollen:
– Je besser die Maschinen in der Lage sind, bisher etablierte Genres in Eigenleistung zu reproduzieren und auf deren Grundlage neue Texte herzustellen, desto deutlicher stellt sich die Frage an die Autoren, wie sie in diesem Umfeld noch eine Eigenständigkeit behaupten oder aber neu entwickeln können.
– Die zunehmend stilsichere Genese von Texten im Umfeld ihrer digitalen Reproduzierbarkeit bedeutet zugleich das Risiko einer Entfremdung von der handwerklichen Tätigkeit, die sich aus dem Erwerb ebendieser Fähigkeiten ergibt.
– Das Entfallen dieser handwerklichen Qualifikationen bedeutet in ihrer Folge aber auch die Entfremdung von der jeweils historisch nicht mehr relevanten Referenz zu diesen unterschiedlichen Eigenschaften einer kulturellen Vermittlung von Inhalten. Je genauer es der KI gelingt, im Rückgriff auf die in der Geschichte geronnenen Substrate eigenständige Gewerke zu entfalten, desto weniger Veranlassung scheint es zu geben, sich auf diese Geschichte selbst noch beziehen zu müssen.
– Die Angst vor der eigenen Zukunft ist in diesem Zusammenhang durchaus nachvollziehbar, emotional als auch existenziell begründet. Der entscheidende Punkt ist, dass die derzeit etablierten elektronischen Systeme nicht in der Lage sind, Antworten auf diese Zukunftsfragen zu leisten oder sogar zu ihrer Umsetzung beizutragen.
– Aber gerade diese Fehlstelle — und das mag durchaus eine gute Nachricht sein — stellt eine neue Herausforderung für den Menschen im Allgemeinen, aber auch für die Journalistin und den Journalisten im Besonderen dar.
– Es war schon immer unsere Aufgabe, aus der Vielfalt Ereignisse auszuwählen und sie auf ihre Wahrhaftigkeit zu überprüfen. Jetzt, wo die Bereitstellung der Auswahlmöglichkeiten automatisiert und erleichtert wird, gibt es zugleich einen noch höheren Anspruch, sich dem Thema der Wahrhaftigkeit zu stellen. All das, was uns jetzt wahr erscheinen mag, wird in seinem Wesen neu zu prüfen und zu bestimmen sein.
– Die Elektronik hat sich als Gatekeeper gegen einen Brockhaus oder eine britische Enzyklopädie durchgesetzt. Jetzt gilt es, dass wir uns gegen diese daraus erwachsene elektronische Überforderung durchsetzen, die uns bisher so gerne als eine Quelle der Erleichterung für die eigene Produktivität angepriesen wird.
– Es wird diese grossen runderneuerten Aufgabenbereiche geben, in denen wir uns neu zu verordnen haben. Zu klären, zu erklären, und aufzuklären - also auch die Möglichkeiten einer Veränderung zu präsentieren oder sogar zu entwerfen. Das Klären wäre dann die Recherche, das Präsentieren wären dann die News, der Entwurf wäre dann der Kommentar.
– Und für alle, denen das dann immer noch nicht reicht, bleibt nur noch, kleine Essays zu schreiben wie diesen hier, oder wissenschaftliche Bücher - oder doch lieber einen Roman [[Oder gleich ganz den Beruf wechseln? Als Quereinsteiger in die Schulen gehen? Da der Autor nicht nur Mitglied im DJV, sondern auch seit mehr als 50 Jahren in der GEW ist, hier das Cover aus der in diesen Tagen bundesweit versandten Mitgliederzeitschrift:
Und hier der Rücken aus der Ausgabe 04/2026 (in der Hoffnung, dass der Urheber dieser wahrlich gelungenen Karrikatur in diesem konkreten Fall die Wahrnehmung des Zitatrechts akzeptiert - Danke!
]?
WS.
Kaum war dieser Text - zunächst als Draft - öffentlich, kommen auch schon die ersten (Gegen-)Darstellungen zurück. Anstatt sich so viele Sorgen über einen eh’ in der klassischen Berufswelt nie zertifizierten Berufsstand zu machen, sollten lieber attraktive Titel für die Bewältigung der aktuellen Aufgaben entworfen und ausgeführt werden. Wie zum Beispiel dieser hier:
"FOMO: Was die Digits Dir besorgen, das verschiebe nicht auf morgen"
Wir nehmen diese Herausforderung an - und reichen sie via Copilot an die KI weiter:
Ich sehe, du möchtest ein Bild zu einem bestimmten Titel gestalten — aber du hast den Titel noch nicht genannt. Schreib ihn bitte direkt hier hinein, dann kann ich sofort mit der Visualisierung beginnen.
"FOMO: Was die Digits Dir besorgen, das verschiebe nicht auf morgen"
Das Bild zu deinem Titel „FOMO: Was die Digits Dir besorgen, das verschiebe nicht auf morgen“ ist fertig.
Es zeigt die digitale Hast und den Zeitdruck, die mit FOMO verbunden sind – ein junger Mensch, umgeben von leuchtenden Symbolen der digitalen Welt, läuft buchstäblich gegen die Uhr, während über ihm die grelle Aufforderung „JETZT!“ steht.
Wenn du möchtest, kann ich:
– eine minimalistische oder typografische Variante gestalten (z. B. für ein Buchcover oder Plakat),
– oder eine konzeptuelle Version, die stärker die gesellschaftliche oder psychologische Dimension von FOMO betont.
Welche Richtung interessiert dich mehr – visuell‑ästhetisch oder analytisch‑symbolisch?
"Für ein Buch"
Für ein Buch eignet sich dieses Motiv hervorragend als Cover‑Illustration oder Kapitelauftakt.
Damit es professionell wirkt, solltest du die Bildkomposition leicht anpassen:
📘 Gestaltungsvorschläge für das Buchcover
1. Titelplatzierung
– „FOMO:“ groß und leuchtend oben, wie im Bild.
– Untertitel „Was die Digits Dir besorgen, das verschiebe nicht auf morgen“ in ruhiger, klarer Typografie (z. B. Sans‑Serif, Weiß oder Hellblau auf dunklem Hintergrund).
2. Farbkonzept
– Behalte die Kontraste zwischen warmem Gelb‑Orange und kühlem Blau‑Violett – sie symbolisieren Spannung zwischen digitaler Verlockung und Zeitdruck.
– Für den Buchrücken und die Rückseite: dunkles Blau mit dezenter Textur oder Pixelmuster.
3. Symbolik
– Der junge Mensch mit Smartphone steht für den Leser als Spiegelfigur.
– Die Uhr und das Sandglas visualisieren den zentralen Konflikt: Zeit gegen digitale Impulse.
– Der Wolf im Schatten kann als Signatur‑Element dienen – ein Hinweis auf dich als Autor oder auf das „instinktive“ Moment der FOMO.
4. Typografische Ergänzung
– Verwende eine klare Schrift für wissenschaftlich‑essayistische Wirkung (z. B. Roboto, Lato, Source Sans Pro).
– Für den Titel darf eine plakative Schrift wie BebasNeue oder Anton eingesetzt werden.
5. Layout‑Balance
– Oben: Titel und Untertitel.
– Mitte: Hauptfigur und digitale Symbole.
– Unten: Uhr, Wolf, „JETZT!“ – als visuelles Crescendo.
Möchtest du, dass ich eine Buchcover‑Variante des Bildes gestalte – also mit typografischer Einbindung und Layout‑Rahmen für Verlag oder Druck?
"Ja"
Das Buchcover zu „FOMO: Was die Digits Dir besorgen, das verschiebe nicht auf morgen“ ist jetzt fertig.
Es kombiniert die leuchtende Typografie mit der dynamischen Szene eines jungen Menschen, der von digitalen Symbolen umgeben ist – perfekt, um die Spannung zwischen digitaler Verlockung und Zeitdruck zu visualisieren.